DE- Kurzgeschichte- Meine hübsche Kindheitsfreundin

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Informationen zur Geschichte:

Eine Präsentation des Forschungsinstituts "Andishe Online Germany (AOG)"

Auszug aus dem Buch "Das Wunder von Guadalupe“

Autor: Faramarz Tabesh

Datum der Fertigstellung der persischen Originalfassung: 19.01.2005

Veröffentlichung der deutschen und englischen Fassung: 14.03.2025

Der folgende Text wurde von Faramarz Tabesh aus dem Persischen (Farsi) ins Deutsche und Englische übersetzt.


 





Eine spannende wahre Geschichte

Meine hübsche Kindheitsfreundin



Als Kind, vielleicht ab meinem sechsten oder siebten Lebensjahr, verbrachte ich die meiste Zeit im Haus meiner liebevollen Großeltern väterlicherseits, das relativ nah an unserem Haus lag.

Ich interessierte mich für meinen Großvater, der ein Literat war, und respektierte ihn. Aber meine liebe Großmutter und ich hatten eine sehr tiefe spirituelle Verbindung. Sie ist die einzige Person, von der ich nach all den Jahren ehrlich sagen kann, dass ich sie zutiefst geliebt habe und immer noch liebe.

Um die Atmosphäre dieser Geschichte ein wenig zu verstehen, muss man ein wenig über diese starke Frau wissen. Aber so wenig wie möglich, damit es nicht langweilig wird.


Meine liebe, warmherzige Großmutter hatte eine ganz besondere, liebenswerte Angewohnheit, die mir sehr am Herzen liegt. Jeden Sommer mietete sie einen wunderschönen Garten in der Umgebung von Teheran1. Sie liebte es, dort mit ihren Enkelkindern zu sein, und so mietete sie für drei Monate einen Garten in Abali2 und Oshan3, was von den meisten als die Sommerregion Oshan-Fasham4 bezeichnet wurde. Es war die Zeit, die ich am meisten liebte, denn sobald ich die Schlüssel erhalten hatte, konnte ich allein und an den folgenden Tagen mit den Kindern meines Onkels in dem schönen Fluss schwimmen, der in der Nähe vorbeifloss, oder reife Früchte von einem Obstbaum pflücken und direkt genießen. Die Kinder unserer Familie mit ihren Eltern besuchten uns jedes Wochenende im Dorf, also donnerstags und freitags5. An den anderen Tagen mussten die Eltern arbeiten. Oft waren auch Freunde der Familie dabei und wir hatten immer ein schönes, fröhliches Beisammensein.


Ich war wirklich überglücklich, dass ich den ganzen Prozess von Anfang an begleiten durfte. Es war das Highlight dieser Veranstaltungen, das mir noch lange in positiver Erinnerung bleiben wird. Die Suche nach einem großen Obstgarten in einem der Dörfer, die ganze Zeremonie der Gartenverpachtung und der Umzug waren für mich nicht nur nicht langweilig, sondern auch sehr spannend.


Einige Jahre später, als die Zeit verging und sie älter wurden, verkauften meine geliebten Großeltern ihr Haus in Teheran und zogen in ihre Heimatstadt Maschhad6. Meine liebe Großmutter kam jedoch jedes Jahr ein paar Wochen früher nach Teheran und nahm mich gleich nach dem letzten Schultag, wenn die Sommerferien begannen, mit in ihr neues Haus im Viertel Koohsangi7 in Mashhad. Diese Reise war für mich ein echtes Highlight, denn ich durfte das Fliegen mit dem Flugzeug zum ersten Mal erleben. Das Haus in Maschhad war auf jeden Fall viel größer als das in Teheran, und für mich war es wie eine eigene kleine Welt. Im Kühlschrank konnte ich immer leckeres Rahmbrot, also Semla, Wurst und Bio-Eier finden. Die drei Dinge, die ich am liebsten mag. Damit die Sommerferien so richtig schön werden, besorgte Oma mir eine Eintrittskarte für das Freibad, die drei Monate lang gültig war. Sie hat einfach an alles gedacht, was mir eine Freude machen könnte, und dabei konnte sie gar nichts vergessen. Im Hof des neuen Hauses gab es einen großen Teich, der mit den Blättern eines alten Birnbaums wie ein Dach vor dem direkten Sommersonne8 geschützt war, so dass ich darin schwimmen konnte.

……..

Lassen Sie uns gemeinsam eine magische Reise in die Vergangenheit unternehmen, in die Zeit, in der meine geliebten Großeltern glücklich in ihrem Haus in Teheran lebten. Es war eine einzigartige, manchmal etwas seltsame Zeit, die mich sehr geprägt hat. Eine besondere Anekdote, die sich vor fast sechzig Jahren ereignete, hat sie in meinem Gedächtnis bewahrt. Lassen Sie uns gemeinsam auf diese Geschichte zurückblicken.


Um Ihnen diese Geschichte so wirklich nahezubringen, möchte ich die Stimmung und die Atmosphäre dieses Hauses beschreiben. So können Sie sich das Haus und die Zeit vorstellen und in die Geschichte eintauchen.

Durch die Eingangstür dieses faszinierenden Hauses gelangte man in einen relativ großen Hof, in dessen Mitte sich ein großer Teich befand – so groß wie ein kleiner Swimmingpool. Ich bin wirklich überwältigt von diesem tollen Pool und kann gar nicht in Worte fassen, wie wertvoll er für mich war. Ich war absolut begeistert und fühlte mich wie im siebten Himmel! Doch dann wurde im Zuge der Modernisierung des Hauses der große Teich durch einen kleineren, aber modernen Fischteich ersetzt. Die alten Bäume und Blumenarrangements wurden durch Apfel- und Birnbäume und verschiedene neue Blumen ergänzt, was dem Hof ein ganz neues, wunderbares Ambiente verlieh. Schon vor der Modernisierung des Hauses, als die Hofmauern noch aus Ziegelsteinen bestanden, schmückten einige sehr alte und hohe Pappeln sowie dichte und duftende Jasmin- und Trompetenblumen den Hof. Für mich war dieses Haus mehr als ein Paradies, und ich liebte den Duft der Jasminblüten und der Pappelblätter, die an heißen Teheraner Sommernachmittagen9, wenn man sie mit Wasser besprühte, allerlei wunderbare Düfte verströmten.


Nach dem täglichen Ritual des Gießens und Bewässerns der Pflanzen und Blumen und dem Wischen des Hofbodens breiteten wir jeden Nachmittag unsere Teppiche auf den großen Holzplattformen aus und saßen dann gemütlich beisammen und warteten auf Gäste. Wir wussten nie, wer sie sein könnten, und das war das Aufregendste. Nachts deckten wir die Plattformen sorgfältig mit Moskitonetzen ab, um darauf schlafen zu können.

Irgendwann ertönte endlich das Klingelzeichen und die Gäste wurden mit überschwänglicher Freude willkommen geheißen. Die liebe Oma servierte dann eine köstliche Auswahl an geschält und geschnittenen Wassermelonen und Mashhadi-Melonen10, süße Leckereien und verführerische Knabbereien, und natürlich aromatischen Tee, der die Herzen erwärmte.

Obwohl meine Großmutter immer ein Dienstmädchen im Haus hatte, das sie wie ihr eigenes Kind behandelte und von den Kindern der Familie und natürlich auch von mir als Familienmitglied angesehen wurde, erledigte meine Großmutter die meiste Arbeit selbst.


Es gab noch ein wunderbares Ritual, das uns immer mehr verband: Meine liebe Großmutter stellte jeden Abend mein Bett neben ihres in den Hof. Dann schaltete sie ihr Radio ein, fand nach einigem Suchen die Sendung mit der Gutenachtgeschichte und stellte die Lautstärke ein. Sie nahm eine Zigarette aus der Schachtel, zündete sie an und wir beide lauschten der Nachtgeschichte:

"Zugsignalwärter", "Johnny Darrell" oder jede andere Geschichte zu irgendeinem Thema, die vom Radio gesendet wurde. Wir genossen die zusammen mit dem Duft von weißem und rosa Jasmin und anderen Pflanzen. Nach dem Ende der spannenden Nachtgeschichte begann das Musikprogramm mit dem Namen "Blumenprogramm"11, an dem die bekanntesten Musiker und Sängerinnen teilnahmen. Wunderschöne Stimmen von Homeira12, Mahasti13, Golpa14 und anderen sowie die verträumte, himmlische Atmosphäre dieses zauberhaften Hofes wurden durch den atemberaubenden Blick in den Sternenhimmel abgerundet.

Aus der Ecke des Hofes konnte man auch das Geräusch des sanften Sommerwindes hören, der durch die Blätter der hohen Pappeln wehte und eine einzigartige Musik spielte, wie eine Walzersinfonie, die mich berauschte und faszinierte und mich der Zeit und dem Ort entriss.


Meine geliebten Großeltern und ich pflanzten zwei Kiefernsetzlinge in der Grünfläche vor dem Haus, neben dem neu gebauten Wasserkanal. Ich maß sie alle zwei oder drei Tage, um zu sehen, ob sie gewachsen waren. Natürlich war diese mathematische Berechnung mit meiner kindlichen Methode nie korrekt durchführbar.

Wie auch immer, das war meine wundervolle Welt. Es war eine Welt, in der ich mich rundum geborgen und frei fühlte. Eine Welt, die so aufregend und beruhigend war, dass sie mich über die Grenzen von Zeit und Raum hinauszog und meine Kindheitsträume zum Leben erweckte.


Meine Großmutter war eine unglaubliche Führungspersönlichkeit und hatte immer alle im Griff. Auf dem Hof konnte man immer einige der Bräute, meine Eltern, Onkel, ihre Enkelkinder und meine Oma (mütterlicherseits) sehen. Die letztgenannte Person war eigentlich die Ehefrau des Bruders meiner Großmutter (väterlicherseits). Sie war eine unheimlich nette und lustige Person. 

In dieser herzlichen Atmosphäre teilte meine liebe Großmutter autoritär, aber freundlich jedem seine Aufgaben zu. Am jeden Donnerstagabend15 herrschte in diesem wunderschönen Innenhof ein reges Treiben, denn man traf dort fast jeden. Im Licht der Leuchtstofflampen spielten die einen Backgammon, die anderen Karten oder Schach. Die Kinder liefen herum, spielten oder halfen den Erwachsenen beim Kochen und Tischdecken.

Der Klang wunderschöner iranischer Musik, vor allem von Golpayegani, kouros Sarhangzadeh16, Homeira, Hayedeh17, Mahasti, Marzieh18 oder Elaheh19 und Pouran20, hallte durch den Raum, und währenddessen war die Stimme, die am lautesten zu hören war, natürlich die der Großmutter, die immer wieder Befehle gab. Die einzigen, die von der Arbeit befreit waren, waren meine Großmutter mütterlicherseits und ich.


Meine geliebten Großeltern hatten damals eine liebenswerte Familientradition: Jeden Donnerstagabend wurde auf Geheiß meines Großvaters ein Truthahn zum örtlichen Metzger gebracht und geschlachtet. Das Federvieh wurde zusammen mit anderem Geflügel in unserem Garten gehalten, in einem Stadtteil, den ich leider nicht mehr kenne. Aus dem Fleisch wurden köstliche Gerichte zubereitet, die den geschätzten Gästen zusammen mit einer traditionellen Gemüsesuppe mit speziellen Nudeln serviert wurden. Diese Suppe wird im Iran Ashe Reschte21   genannt.

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Manchmal wurden auch Freunde und Nachbarn zu diesem privaten wöchentlichen Fest eingeladen, wie zum Beispiel eine charmante Kurdin aus Kermanshah22. Sie trug immer die schöne kurdische Tracht und spazierte mit einem hübschen kleinen Mädchen in meinem Alter durch die Nachbarschaft. Später erfuhr ich, dass das Mädchen ihre Enkelin war.

Das Mädchen, das im Mittelpunkt dieser Geschichte steht, hatte helle, honigfarbene Augen, europäisch blondes Haar, eine ganz weiße Haut und eine katzenartige Stimme. Sie war einfach sehr sanft, süß und niedlich.


Da dieses außergewöhnliche Mädchen in meinem Alter war, denken Sie vielleicht, dass die paradiesische Atmosphäre dieses Hauses, die ich beschrieben habe, ihren Höhepunkt mit einer wunderbaren Spielkameradin erreicht hätte, aber das ist genau der Punkt.


Oft, wenn wir keine Gäste hatten, gingen wir nachmittags zu dieser zweiköpfigen Familie. Ihr Haus lag nur einen Häuserblock von unserem entfernt. Manchmal kamen sie auch zu uns. 

Ich erinnere mich, dass ich meine Großmutter nur ein- oder zweimal zu diesem Besuch begleitete, danach mied ich ihre Gesellschaft immer, denn dieses bezaubernde Kind hatte eine seltsame Wirkung auf mich, die ich nicht beschreiben kann. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie nach einem speziellen Waschmittel namens Tide roch.


Auch heute, während ich diese Zeilen schreibe, kann ich dieses verwirrende Gefühl keiner Psychoanalyse unterziehen, obwohl ich bereits Dutzende von wissenschaftlichen Artikeln in verschiedenen Sprachen über die Psyche geschrieben habe.

Manchmal denke ich, dass es vielleicht durch die Begegnung zwischen der unvorstellbaren Schönheit des kleinen Mädchens und meiner eigenen leichten Scham und Verlegenheit hervorgerufen wurde. Doch jedes Mal, wenn ich so darüber nachdenke, gefällt mir diese Schlussfolgerung nicht so gut, und ich lasse sie hinter mir und versuche, nicht mehr darüber nachzudenken.


Das Interessante an dieser Beziehung war, dass je mehr ich vor diesem Mädchen weglief, das Tatsächlich eine tolle Spielkameradin hätte sein können, desto mehr wollte sie mit mir spielen.

Manchmal klingelte sie morgens gegen zehn oder elf Uhr bei uns und fragte meine Großmutter nach mir. Aber Oma musste ihr auf meinen Wunsch und aus Respekt vor mir eine höfliche, aber falsche Antwort geben. Zum Beispiel:

"Er ist nach Hause gegangen, er ist krank, oder er ist im Badezimmer"


Sie lud das süße Mädchen in den gemütlichen Hof ein, gab ihr Süßigkeiten und Milch, damit sie nicht mit leeren Händen nach Hause gehen musste, und schickte sie auf den Weg. Sie folgte ihr mit den Augen, bis sie ihr eigenes Haus erreicht hatte, das nur wenige Häuser von uns entfernt war. Als sie sicher war, dass das kleine Mädchen ihr Haus betreten hatte, schloss sie die Tür und ging in unser Haus hinein.


In diesem Zusammenhang möchte ich klarstellen, dass ich immer offen und bereit war, mit gleichaltrigen Mädchen zu spielen. Das war für mich nie ein Problem, da die meisten meiner Spielkameraden in meiner Kindheit Mädchen waren.

Gegenüber dem Haus meiner Großeltern wohnte ein Ehepaar mit zwei Töchtern. Ich glaube, die Älteste war ein oder zwei Jahre älter als ihre Schwester. An den meisten Sommertagen spielte ich mit großer Freude mit diesen lieben Schwestern, bis sie wie jedes Jahr, in den Sommerferien mit ihren Eltern in ihre Heimatstadt in der wunderschönen grünen Provinz Gilan23 im Norden Irans fahren mussten. Außerdem waren die meisten Kinder in meinem Alter in unserer Familie Mädchen.

Das lässt vermuten, dass meine seltsamen Gefühle für dieses schöne Kermanshahi-Mädchen24 einen anderen psychologischen Grund haben müssen.


Der springende Punkt dieser Geschichte ist, was an einem Sommernachmittag geschah, wenn ich mich recht erinnere. An diesem Nachmittag klingelte es unerwartet an der Tür. Ich öffnete sie und als ich das hübsche, modisch gekleidete Mädchen und ihre Großmutter vor mir sah, begrüßte ich sie kurz und rannte durch den Flur zur Treppe, die nach oben und von dort zum Dach führte. Doch genau in diesem Moment der Flucht fiel mein Blick für einige Sekunden auf dieses außergewöhnliche Wesen und ich sah in diesem kurzen Moment ein tiefes, kindliches Lächeln auf ihrem Gesicht, voller Sehnsucht nach Freundschaft. Sie wollte nur meine Freundin sein und mit mir spielen, aber ich schien nicht der Richtige für sie zu sein.


Wie auch immer, als ich auf der Flucht nach dem Dach war, rannte ich mit voller Geschwindigkeit wie ein Gewehrschuss an meiner Großmutter vorbei, als ich die erste Treppe hinaufstieg, die am Ende der Küchentür beginnt. Sie kam gerade mit einem großen Tablett mit Tee und Gebäck aus der Küche, gefolgt von einem Dienstmädchen mit einem Tablett mit Obst und ein paar Snacks. Mit dieser Dummheit versetzte ich ihr einen ärgerlichen Schock.

Obwohl meine liebe Großmutter nie laut oder scharf mit mir sprach, sondern immer so sanft und liebevoll war, war sie so schockiert und wütend, dass sie mich hinter mir anschrie:

„Hey, Junge, was machst du da?!“


Sie wusste genau, dass ich vor diesem wunderschönen kleinen Mädchen weglief.

Sie fuhr fort:

„Lauf, lauf vor ihr weg, solange du ein Kind bist. Aber dann, wenn du erwachsen bist, wirst du hinter ihr herlaufen und sie wird vor dir weglaufen“.


Dann fuhr sie in einem ruhigeren, aber vorwurfsvollen Ton fort:

"Unwürdig!"


Vom Dach aus, das den Innenhof überblickte, konnte ich deutlich einen Platz unter den Apfel- und Birnbäumen beobachten, auf dem Schalen mit Obst, Süßigkeiten und Teetassen standen. Dort unten saß ein kleines Mädchen mit goldenen Haaren, die mit einem Blumenstirnband zurückgebunden waren, hellen honigfarbenen Augen und einem weißen Kleid mit einem Muster aus winzigen rosa Blümchen im Schneidersitz zwischen den beiden Großmüttern. Mit einer sanft gebogenen Rückenhaltung und den Fäusten, die ganz zart unter dem Kinn geballt waren, lauschte sie dem langweiligen Gespräch der beiden älteren Damen. Es war ein Gespräch, das an die aufregende Vergangenheit der Damen erinnerte, aber für ein kleines, fünf oder sechs Jahre altes Mädchen erschien es sinnlos.

Mitten in diesem mühsamen Zeitablauf klopfte das kleine Mädchen plötzlich mit der Handfläche auf den Oberschenkel meiner Großmutter, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen, und fragte sie dann:

"Tante! Kommt Faramarz nicht zum Spielen?"


Meine Großmutter antwortete mit besonderer Zärtlichkeit und Freundlichkeit, vielleicht ein wenig verwirrt:

„Nein, Schatz, vergiss es, das hat er nicht verdient!“


Wer weiß, vielleicht war sie von der Frage des kleinen Mädchens so überrascht, dass ihr nichts anderes einfiel als dieser Satz.

Jedenfalls, hätte ich das unter normalen Umständen von meiner geliebten Großmutter gehört, wäre ich unter Protest nach Hause gegangen, denn ich hätte nicht erwartet, dass sie mich so grausam verurteilen würde. Aber als ich in diesem Moment die Enttäuschung auf dem Gesicht des kleinen Engels sah und mich daran erinnerte, was ich gesehen hatte, als ich die Haustür öffnete, tat mir das Urteil meiner Großmutter nicht nur nicht leid, sondern ich gab ihr auch das Recht, so zu denken.


Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie mir versprechen, es niemandem zu erzählen, werde ich Ihnen dieses Geheimnis verraten, das mir die Tränen in die Augen trieb, als mir der Schmerz die Kehle zuschnürte.


Wenn ich heute, viele Jahre später, darüber nachdenke, glaube ich, dass meine Großmutter, die sonst immer versuchte, alles richtig zu machen und an alles zu denken, in ihren Träumen dieses schöne Mädchen als ihre Braut auswählte, die ich später heiraten sollte. Denn der Satz „Er ist es nicht wert“ oder "Er hat es nicht verdient" könnte ein Hinweis darauf sein, dass sie ihre Entscheidung für ihren geliebten Enkel, den sie zumindest in diesem einen Fall aufgrund seines Verhaltens für unwürdig hielt, revidiert hat. Es war, als wäre sie von mir enttäuscht, weil ich wahrscheinlich ihre Träume zerstört hatte.


Nach diesem Vorfall, als die Schule begann, habe ich das kleine Mädchen nie wieder gesehen oder von ihr gehört. Anscheinend kehrte auch sie zu ihren Eltern in ihre Stadt zurück. aber die Erinnerung an sie und die Art, wie ich sie behandelt hatte, blieb für immer bei mir und verfolgte und quälte mich.


Jahrzehnte waren seit diesem Vorfall vergangen, und als ich das letzte Mal im Iran Urlaub machte, ging ich in Begleitung einer meiner Cousinen in die Straße, in der das schöne Haus meiner Großeltern stand. Das Haus war abgerissen und durch mehrere Stockwerke mit Wohnungen ersetzt worden. Nichts war mehr wie vorher, außer den zwei Pinien, die meine Großmutter und ich in meiner Kindheit im kleinen Garten vor dem Haus gepflanzt hatten. Aus diesen zwei Setzlingen sind inzwischen zwei üppige, dichte und hohe Kiefern geworden.

Als ich die Bäume betrachtete, die ich vor mehr als einem halben Jahrhundert selbst gepflanzt hatte, kamen mir plötzlich Erinnerungen an diese Zeit in den Sinn, besonders an den kleinen Engel.

Ich bat meine Cousine, mit mir das Haus der Dame von Kermanshah und ihrer hübschen Enkelin zu besuchen. Nach einem kurzen Spaziergang standen wir vor dem Haus, das das gleiche Schicksal erlitten hatte wie das Haus meiner Großeltern, und plötzlich änderte sich meine Stimmung.

Meine Cousine redete und erklärte ununterbrochen, aber ich konnte sie nicht hören. Denn in diesem Augenblick sah ich in meiner Phantasie dieses außergewöhnliche und fröhliche kleine Mädchen aus dem Hoftor treten, und als sie mich sah, sagte sie mit einem wunderschönen Lächeln:

 „Faramarz, bist du endlich gekommen, um mit mir zu spielen?“


 Und ich antwortete mit tränenden Augen:

„Ja, mein Schatz, ja, von ganzem Herzen, wann immer du willst, wo immer du möchtest und solange dieses Spiel dauert.“


Dann sah ich in derselben Phantasie meine hübsche Freundin aus Kindertagen Hand in Hand mit einem gleichaltrigen Jungen in eine unbekannte Richtung gehen. Weit weg von dem heutigen Faramarz, der da so bedauernd stand.

 

 

 

Faramarz Tabesh

Aus dem Buch "Das Wunder von Guadalupe"

 


Fußnoten:

1- Damals gab es rund um die iranische Hauptstadt Teheran viele schöne Dörfer, von denen heute nichts mehr übrig ist.

2- Abali war damals ein sehr schönes Dorf, ca. 75 km von Teheran entfernt, das vor allem für seine Molkerei, sein internationales Skigebiet und sein Casino bekannt war.

3- Oshan war also damals ein sehr schönes Dorf nördlich von Teheran, bekannt für seine auch im Sommer sehr frische Luft und seinen recht breiten und tiefen Fluss.

4- Fasham, ebenfalls ein schönes Dorf, ca. 50 km von Teheran entfernt.

5- Der Freitag ist im Iran der Wochenendtag. Ab Samstag wird wieder gearbeitet.

6- Mashhad (Maschhad) ist die Hauptstadt der iranischen Provinz Razavi-Chorasan und die zweitgrößte Stadt Irans. Sie liegt 850 km östlich von Teheran. Mashhad ist vor allem für seine Edelsteine, besonderen Süßigkeiten und Teppiche bekannt, aber auch für die schönen Dörfer in der Umgebung. Die Einwohner von Mashhad sind im ganzen Iran unter dem Namen Mashhadi oder einfach Mashdi bekannt. Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Mashhad zählt das Mausoleum von Nader Shah Afshar (1688–1747), einer der signifikantesten Herrscherpersönlichkeiten des Iran.

7- Koohsangi ist ein Park in Mashhad, Iran, und der zweitgrößte Freizeit-, Wissenschafts- und Parkkomplex. Eine wohlhabende Gegend.

8- Mashhad ist im Sommer zwischen 11 und 18 Uhr sehr heiß. Manchmal bis zu 40 Grad.

9- In der iranischen Hauptstadt Teheran muss auch in den Sommermonaten mit hohen Temperaturen gerechnet werden. Sie können mittags bis zu 35 Grad Celsius erreichen, während sie nachmittags bei etwa 22 Grad Celsius liegen. Nachts wird es jedoch kühler.

10- Die Mashhadi-Melonen sind im ganzen Iran und in den Nachbarländern wegen ihres besonderen süßen Geschmacks bekannt.

11- Mit diesem Titel des Musikprogramms ist folgendes gemeint: Die Musikstücke, so traumhaft und zart wie Blumen.

12- Homeira, mit bürgerlichem Namen Parvaneh Amir-Afshari, wurde am 17. März 1945 in Teheran geboren und ist eine der renommiertesten klassischen Sängerinnen Irans. In der persischen Musikszene nimmt sie eine herausragende Stellung ein.

13- Mahasti wurde am 16. November 1946 in Teheran geboren und starb am 25. Juni 2007 in Santa Rosa, USA. Sie zählte zu den renommiertesten klassischen Sängerinnen Irans und nahm eine herausragende Stellung in der persischen Musikszene ein.

14- Golpa, also Akbar Golpayegani, geboren 1934 in Teheran und dort auch verstorben, wird in der Fachwelt als bedeutender Sänger des klassischen iranischen Musikgenres betrachtet. Er wird zu den renommiertesten Vertretern seiner Kunst gezählt und nimmt eine herausragende Stellung in der persischen Musikszene ein.

15- Ab Donnerstagabend beginnt im Iran das Wochenende.

16- In Fachkreisen genießt Kouros Sarhangzadeh den Stellenwert eines der bedeutendsten klassischen Sänger des Iran.

17- Hayedeh, geboren am 10. April 1942 als Ma'soumeh Dadehbala in Teheran, verstarb am 20. Januar 1990 in San Francisco, Kalifornien. Sie wird als bedeutendste Sängerin klassischer und populärer Musik im Iran angesehen.

18- Marzieh, geboren als Aschraf al-Sadat Mortezaie im Jahr 1924 in Teheran, verstarb am 13. Oktober 2010 in Paris. Sie erlangte als klassische Sängerin im Iran große Bekanntheit.

19- Elaheh war eine namhafte klassische Sängerin im Iran.

20- Pouran war eine namhafte klassische Sängerin im Iran.

21- Ashe Reschte: Ash ist vergleichbar mit Suppe und Reshteh ist eine iranische Nudelsorte. Es ist ein traditionelles Gericht im Iran und sehr beliebt.

22- Kermanshah ist eine bedeutende Stadt im zentralen Bezirk der Provinz Kermanshah im Iran. Sie fungiert als Hauptstadt der Provinz, des Landkreises sowie des Bezirks und liegt 525 Kilometer (326 Meilen) von Teheran entfernt im westlichen Teil des Landes. Die Stadt ist für ihre traditionellen Süßigkeiten, Kleidung und lokalen Tänze bekannt. Darüber hinaus sind die alten Schnitzereien auf großen Steinsäulen, wie dem Taq-e-Bostan, der Behistun-Inschrift und dem Museum für antike Kunst, weltberühmt. Die Einwohner von Kermanshah werden Kermanshahi oder Kermanshani genannt.

23- Gilan ist eine der grünsten Provinzen im Norden Irans und liegt am Meer von Māzandarān. Die Entfernung von der Provinzhauptstadt Rasht nach Teheran beträgt ca. 330 km. Die Provinz Gilan ist bekannt für ihre Süßigkeiten, verschiedene Sirupsorten, unterschiedliche Kekse, einzigartige Gerischte und außergewöhnliche Fischsorten.

24- Die Einwohner von Kermanshah werden Kermanshahi oder Kermanshani genannt.




Faramarz Tabesh

Deutschland, Sonntag, 19. Januar 2025

Eine Geschichte aus dem Buch Wunder von Guadalup

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